Nach der Grundinstallation eines minimalen Ubuntu-Systems und einiger praktischer Hilfsprogramme und Dienste fehlt der Installation eine grafische Oberfläche.

Gemäß der Grundüberlegungen vor dem Installationsprojekt wird eine die Ressourcen schonende grafische Oberfläche gebraucht, die unkompliziert zu bedienen und modular erweiter- und konfigurierbar ist. Nachdem wohl nur die Diskussion über Texteditoren stärkere Konflikte produzieren kann, soll hier auf eine ausgearbeitete Argumentation für oder gegen verschiedene Desktop-Oberflächen (oder nur Fenster-Manager mit einem Haufen Terminals) verzichtet und nur auf das Endergebnis verwiesen werden:

Ich möchte XFCE installieren; die Vorlieben sind verschieden. Viele der folgenden Beiträge werden sich natürlich unabhängig von der installierten Oberfläche anwenden lassen.

Installation der Pakete

Nachdem noch einige weitere Kapitel folgen sollen, werden hier zunächst nur die grundlegendsten Pakete installiert:

sudo add-apt-repository ppa:tiheum/equinox # für das faenza-icon-theme
sudo apt-get install xorg xfce4 xfce4-terminal xfce4-power-manager lightdm-gtk-greeter arandr shimmer-themes ttf-ubuntu-font-family faenza-icon-theme

Damit wird nicht nur die Grundlage des grafischen Systems, der X-Server xorg, installiert, darüber hinaus auch das Metapaket der wichtigsten XFCE-Bestandteile (xfce4), ein brauchbarer Terminal-Emulator mit Tabs (xfce4-terminal), mit dem xfce4-power-manager die Möglichkeit, das System per Knopfdruck oder zeitgesteuert in Standby versetzen zu lassen. Zur Anmeldung der Benutzer nach dem Bootvorgang dient der lightdm-gtk-greeter. XFCE liefert zwar ein Werkzeug zum Einstellen der Bildschirmauflösung mit, allerdings lässt sich damit nur die Auflösung der angeschlossenen Bildschirme ändern, nicht jedoch die Anordnung zueinander. Dafür wird noch arandr mitinstalliert. Als schönes Theme habe ich mir für den Anfang Bluebird aus den shimmer-themes ausgewählt, dazu passend der Ubuntu-Font und das faenza-icon-theme.

Bildschirmauflösung

Mit Hilfe von arandr, das im Anwendungsmenü, Einstellungen zu finden ist, lässt sich die Auflösung des/der angeschlossenen Monitor(e) einstellen und die Anordnung mehrerer Monitore zueinander festlegen.

Die dort vorgenommenen Einstellungen werden jedoch nicht automatisch bei jedem Start angewendet, dazu muss über Layout, Speichern unter erst ein Shellscript erstellt werden, etwa daheim.sh. Im Anwendungsmenü unter Einstellungen, Sitzung und Startverhalten kann unter Automatisch gestartete Anwendungen ein neuer Eintrag für den Autostart der Bildschirmkonfiguration erstellt werden: Nach Klick auf das Plus-Symbol können Name und Beschreibung frei gewählt werden, bei Befehl wird dann ~/.screenlayout/daheim.sh eingetragen.

Konfiguration

Das reine Vorhandensein der notwendigen Pakete macht leider die Oberfläche zwar funktional, aber noch nicht besonders ansehlich. Die installierten Themes, Schriftarten und Icons müssen erst eingestellt werden.

LightDM

Besonders der Anmeldebildschirm sieht ohne Konfiguration noch besonders grässlich aus. Dessen Aussehen wird durch die Konfigurationsdatei /etc/lightdm/lightdm-gtk-greeter-ubuntu.conf gesteuert:


#
# background = Background file to use, either an image path or a color (e.g. #772953)
# theme-name = GTK+ theme to use
# font-name = Font to use
# xft-antialias = Whether to antialias Xft fonts (true or false)
# xft-dpi = Resolution for Xft in dots per inch (e.g. 96)
# xft-hintstyle = What degree of hinting to use (hintnone, hintslight, hintmedium, or hintfull)
# xft-rgba = Type of subpixel antialiasing (none, rgb, bgr, vrgb or vbgr)
# show-language-selector (true or false)
#
[greeter]
background=/usr/share/wallpapers/greybird-wall-1920x1200.png
theme-name=Bluebird
font-name=Ubuntu 11
xft-antialias=true
xft-dpi=96
xft-hintstyle=slight
xft-rgba=rgb
show-language-selector=true

Darin werden die Einstellungen für das gerade Installierte Theme (*Bluebird*) und den Ubuntu-Font vorgenommen, außerdem ein Hintergrundbild aus dem Bluebird-Theme gewählt.

Erscheinungsbild (GTK)

Höchstwahrscheinlich bietet sich nach der ersten Anmeldung der Anblick teilweise fehlender Icons und unansehlicher Knöpfe. Im Anwendungsmenü links oben kann unter Einstellungen, Erscheinungsbild zunächst im Tab Oberfläche das Theme Bluebird gewählt werden, unter Symbole das Iconset Faenza-Darkest, um sicherzustellen, auf dunklen Panels keine schwarzen Icons zu erhalten.

Schriftarten und Kantenglättung

Im Tab Schriften wähle ich Ubuntu aus und aktiviere die Kantenglättung. Das Hinting empfiehlt sich auf gering, die Reihenfolge der Pixel für die meisten im Breitbild aufgestellten Bildschirm auf RGB.

Fensterdekoration

Passend zum Erscheinungsbild muss noch die Fensterdekoration mit den Knöpfen für Minimieren, Maximieren, Schließen geändert werden, da deren Erscheinungsbild getrennt gesteuert wird. Die notwendigen Einstellungen lassen sich im Anwendungsmenü unter Einstellungen, Fensterverwaltung finden: Das Thema wieder Bluebird, die Schrift im Titel etwa Ubuntu Medium Fett 10. Wer gern Fenster halbiert auf halber Breite an der linken oder rechten Seite des Monitors einrasten lässt, kann unter Tastatur noch die Tastenkombinationen für Tile window to the left und …right setzen. Ich habe mich für Windowstaste + Links/Rechts entschieden.

Compositing

Bei aktiviertem Compositing werden einige grafische Rafinessen mit dem Desktop möglich: “echte” Alpha-Transparenz in Terminals oder in nicht-rechteckigen Fenstern und Programmen, Schatten hinter Fenstern und durch die Alpha-Transparenz auch die Benutzung einiger “Dock”-Anwendungen, die mit grafischen Effekten eine ansehliche Leiste zum Programmstart bereitstellen können.

Aktiviert wird Compositing im Anwendungsmenü unter Einstellungen, Feineinstellungen des Fensterverhaltens im Tab Compositor. Der Haken Anzeigen-Compositor aktivieren ermöglicht die Effekte; wer gern Schatten hinter den Fenstern hätte, kann noch den gewünschten Haken machen.

Terminal

Der installierte xfce4-terminal-emulator kann nach seinem Start aus dem Anwendungsmenü im Menü Bearbeiten, Einstellungen konfiguriert werden. Ich deaktiviere dort gern die Scrollleiste im Tab Allgemein. Im Tab Aussehen kann unter Schriftart die sehr schöne Ubuntu Mono 10 gewählt und unter Hintergrund ein Transparenter Hintergrund gewählt werden, falls man das wünscht. Wer die Tastenkombinationen STRG+Shift+T (neuer Tab) und STRG+D (Terminal schließen) kennt, kann hier auch die Menüleiste in neuen Terminals deaktivieren.

Unter Farben lässt sich eine unterschiedliche Farbe für jeden Tab auswählen, was vor allem bei der Verwendung mehrerer Server Vorteile haben kann. Weiter unten unter Presets findet man jedoch alternativ auch das Augen schonende Farbpaket Solarized.